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Wunder macht weltweit mobil

Ein Hamburger Unternehmen, das international operiert, ist nicht ungewöhnlich. Ein Startup allerdings, das von der Waterkant aus die Marktführerschaft in seinem Segment auf den Philippinen erobert, ist (ein kleines) Wunder. Ein Wunder, das dabei hilft, das Verkehrschaos in Megametropolen zu bewältigen.

Die Weltbevölkerung wächst, und sie wächst vor allem in Städten. Schon jetzt leben über 50 % der Menschen in urbanen Räumen, und der Anteil wird in den nächsten 30 Jahren wahrscheinlich auf zwei Drittel ansteigen. Weltweit gibt es mehr als 20 Ballungsräume mit über 15 Millionen Einwohnern, fast alle davon außerhalb Europas und der USA. In diesen Megastädten ist der öffentliche Nahverkehr oft überlastet und nicht ausreichend, und ein Auto besitzt längst nicht jeder. Eine Lösung: Carpooling, made in Hamburg.

Wichtige Erfahrungen bei Airbnb gesammelt

Damit gemeint ist die gemeinsame Autofahrt zum Arbeitsplatz und zurück, eine Form der Share Economy also. Damit hat Gunnar Froh schon einige Erfahrungen gemacht. Nach seiner Zeit bei der Unternehmensberatung McKinsey gründete er unter anderem Accoleo, eine deutsche Ausgabe von Airbnb. Bald übernahm das amerikanische Vorbild den kleineren Mitbewerber und eröffnete sein erstes Büro außerhalb der USA in Hamburg, mit Gunnar als Country Manager.

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Im Großraumbüro von Wunder in der Hongkongstraße / HafenCity

2013, das Team war inzwischen von 30 auf rund 1.500 angewachsen, machte sich Gunnar mit einem neuen Konzept selbständig. Wieder war ein amerikanisches Startup Vorbild, dieses Mal Lyft. Dessen Geschäftsidee macht aus Autofahrern Gelegenheitschauffeure und damit klassischen Taxiunternehmen Konkurrenz. Die waren über das neue Unternehmen mit dem schönen Namen WunderCar erst verwundert und verärgert und gingen vor Gericht. Die Folge: Im Juni 2014 untersagte die Hamburger Verkehrsgewerbeaufsicht das Ridesharing genannte Konzept.

Aus WunderCar wird Wunder

Es folgten diverse Justierungen des Geschäftsmodells und die Erprobung neuer Märkte, mit denen wir uns hier nicht weiter beschäftigen möchten. Lieber springen wir gleich in den Januar 2016. Da geht das Hamburger Unternehmen nämlich in Manila an den Start, nun unter dem verkürzten Namen Wunder. Dort ist der Bedarf für das eingangs schon erwähnte Carpooling besonders groß.

Carpooling ist eine Art über das Smartphone organisierte Nachbarschaftshilfe. Über die App von Wunder können Nutzer feststellen, wer aus der näheren Umgebung den gleichen Weg zur Arbeit hat. Daraus entstehen dann Fahrgemeinschaften, aus denen der Fahrer keinen Profit schlägt; lediglich die Betriebskosten werden aufgeteilt. Das ist entscheidend für den Erfolg von Carpooling, denn eine Fahrt kostet dadurch nicht mehr als ein Ticket für Bus oder Bahn.

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Das Logo von Wunder

In der Metropolregion Manila, die – je nach Quelle und Definition – irgendwo zwischen 12 und 23 Millionen Einwohner hat, haben schon Hunderttausende diesen Service genutzt, die magische Zahl von 1.000.000 vermittelter Fahrten wird wohl in wenigen Monaten erreicht. Dabei wird Wunder von der dortigen Verwaltung unterstützt, größere Vorbehalte gab es dort nie. Wobei Carpooling in dieser Form auch in Deutschland inzwischen erlaubt wäre.

Das ist aktuell und auch mittelfristig allerdings kein Thema. Andere Ballungsräume wie São Paulo (Brasilien), Kuala Lumpur (Malaysia) oder Nairobi (Kenia) sind als Märkte wesentlich aussichtsreicher. Sie teilen die Eigenschaft, einen starken Bevölkerungszuwachs und eine vernünftige Infrastruktur zu haben, aber eine weniger hohe Haushaltsabdeckung an Autos als beispielsweise Los Angeles.

Ein internationals Team regelt alles von Hamburg aus

Die geplante Expansion wird komplett von Hamburg aus gesteuert werden können, wie das Beispiel Manila belegt. Lediglich eine für die Pressearbeit zuständige Person ist permanent vor Ort, der Rest des Wunder-Teams agiert in der HafenCity. Für Internationalität ist trotzdem gesorgt. Die 32 Mitarbeiter stammen aus 15 Ländern von allen fünf Kontinenten. Wunder sucht sein Personal weltweit, die Unternehmenssprache ist konsequenterweise Englisch.

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Zufriedene Wunder-Kunden aus Manila, wie sie auf der Webseite zu sehen sind.

Auch wenn Carpooling hierzulande für Wunder kein Thema ist, bleibt das Startup trotzdem auf dem deutschen Markt aktiv. Schließlich hat es bei der Entwicklung seiner Software jede Menge Erfahrungen gesammelt, die für die einheimische Autoindustrie relevant sind. Daher gibt es bereits Kooperationen mit führenden Konzernen. Die Ergebnisse sind im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht auf der Straße, aber lange wird es nicht mehr dauern.

Dafür, dass all die Expansionspläne keine Träume bleiben, sorgt auch eine neue Finanzierungsrunde, die gerade abgeschlossen wurde. Über die Höhe und die daran beteiligten Investoren gibt es keine exakten Angaben, aber die angestrebte Verdoppelung der Belegschaft dürfte damit gesichert sein. Schon jetzt wird es eng in den Büroräumen in der Hongkongstraße. In Hamburg wird Wunder aber definitiv bleiben, hat die Stadt als Tor zur Welt doch wunderbar funktioniert.

Bild ganz oben: Gunnar Froh (CEO und Gründer), Samuel Baker (COO) und Patrick Arle (CPO). Zum Führungsquartett gehört außerdem noch David Jeusette (CTO).

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