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Wizardo – Horrorspaß aus Halstenbek

Es naht der 31. Oktober, ein Datum, das mittlerweile auch hierzulande untrennbar mit Halloween verbunden ist. Immer mehr Fans schmeißen sich zum Gruselfest in aufwändige Kostüme und tragen schaurig-komische Masken. Am besten die von Wizardo, einem Startup am Rande von Hamburg.

„The Last House on the Left“ ist der Titel eines Horrorfilms aus 1970er Jahren, und das letzte Haus auf der linken Seite des Friedrichshulder Wegs in Halstenbek ist das heutige Ziel unserer Reise in die Welt der Gründer und Startups. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Nun, in besagtem Haus wohnt Dr. Steffen Oppermann, und der hat eine Schwäche für gepflegten Grusel und fantasievolle Masken. Inzwischen hat er aus seinem Hobby sogar einen Beruf gemacht.

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In Steffens Keller hängt die Wand voller Masken; fertige Produkte ebenso wie neue Entwürfe. Die Clownsmaske, die er in der Hand hält, verkauft er als Reaktion auf die Vorfälle mit sogenannten Horrorclowns zurzeit nicht.

Aus einem Filmklassiker stammt die Schlüsselszene, die Steffen auf diesen Weg gebracht hat. In „Raiders of the Lost Ark“ (deutscher Titel: „Jäger des verlorenen Schatzes“) mit Harrison Ford als Indiana Jones öffnet der Oberschurke am Ende die Bundeslade in Erwartung eines unendliche Macht verleihenden Schatzes. Stattdessen entweichen mörderische Geister dem Kultgegenstand und zerschmelzen den Bösewicht. Die Szene war damals ein echter Schocker und ein tricktechnischer Meilenstein.

Die Vorbilder kommen aus Hollywood

Den kleinen Steffen beschäftigte danach vor allem eine Frage: Wie haben die das gemacht? Er besorgte sich Latex und fing an, mit dem Material zu experimentieren und seinen Vorbildern aus Hollywood nachzueifern. Zu denen zählten und zählen Special-Effects- und Make-up-Künstler wie Stan Winston („Terminator“), Rick Baker („Men in Black“) oder Greg Nicotero („The Walking Dead“).

Elbenohren

Mit Elfenohren hatte Steffen seine ersten Erfolge.

Eine erste Möglichkeit, seine selbst erlernten Kenntnisse in die Praxis umzusetzen, bekam er anlässlich einer Schulaufführung von Tolkiens „Hobbit“. Die im Handel erhältlichen Elfenohren aus den USA taugten nichts, also bastelte er selbst welche. Die waren ihm dann so gut gelungen, dass nach der Aufführung ein Zuschauer auf ihn zukam und fünf Sätze Ohren kaufen wollte, für Rollenspiele. Das war der erste Auftrag, dem von Zeit zu Zeit weitere folgen sollten, aber ein großes Geschäft wurde erstmal nicht daraus.

Frauenarzt und Make-up-Artist

Auch nicht aus den Spezialeffekten, die er zusammen mit einem Freund entwickelte. Der Freund war hauptsächlich für die Pyrotechnik verantwortlich, während Steffen in erster Linie Make-up-Effekte wie Schusswunden kreierte. Einmal bastelte er für eine Fernsehproduktion eine lebensechte Vogelspinne, die sich sogar bewegen konnte.

Als Anfang des neuen Jahrtausends die „Herr der Ringe“-Filme in die Kinos kamen, wuchs die Nachfrage nach Latexohren und ähnlichen Accessoires. Steffen meldete seine Maskenproduktion 2002 als Gewerbe an, doch blieb das für viele Jahre nur ein Nebenerwerb, denn inzwischen hatte er erfolgreich Medizin studiert und praktizierte als Gynäkologe.

Steffen bei seinem Auftritt in der „Höhle der Löwen“ (Foto: Vox)

Seine eigentliche Leidenschaft ließ ihn aber nicht los. Über die Jahre designte er immer mehr Masken und Applikationen wie Hörner, Nasen und Bärte. Langsam wurde Steffen die Doppelbelastung zu hoch, und 2013 reduzierte er seine Arbeitszeit als Arzt. 2014 gründete er dann Wizardo, um seine Produkte noch professioneller vermarkten zu können.

Den nächsten großen Schritt erhofft er sich von seinem Auftritt in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“, die im Frühjahr 2016 aufgezeichnet wurde. Dort geht es natürlich um finanzielle Unterstützung und kaufmännischen Expertertenrat, aber auch um den Werbeeffekt, den die Erfogssendung erwiesenermaßen mit sich bringt. Daher kommt die Ausstrahlung am 25. Oktober, also wenige Tage vor Halloween, vielleicht etwas zu spät. Einen Deal hat es leider auch nicht gegeben, wie wir inzwischen wissen.

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Steffen kreiert auch individuelle Make-up-Effekte

Wobei Wizardo das Hauptgeschäft, zumindest in Deutschland, nach wie vor zur Karnevalszeit macht. Das spiegelt sich auch in dem Sortiment wieder, das nicht nur Horrorartikel enthält, sondern auch viele Tier- und Partymasken. Nach wie vor beliebt ist alles, was mit dem Fantasyepos „Herr der Ringe“ in Verbindung steht. Zum Glück sind Elfen- und Orkohren nicht geschützt (Zombies übrigens auch nicht). Masken von Filmfiguren, etwa aus der „Star Wars“-Serie, ließen sich garantiert mindestens ebenso gut verkaufen, doch die dafür fälligen Lizenzgebühren sind für Wizardo noch eine Nummer zu groß.

Wizardo arbeitet inzwischen international

Also liegt der Fokus auf den Eigenkreationen, die in kleineren Auflagen nach wie vor in Halstenbek hergestellt werden, hauptsächlich aber bereits in China. Und auch die Nachfrage  nach den über 200 Artikeln im Onlineshop ist mittlerweile international. Bestellungen kommen aus Skandinavien, Großbritannien, Frankreich und Italien. Und der amerikanische Markt ist ein Traum, den sich Steffen irgendwann noch erfüllen möchte. Vielleicht gelingt das ja mit seinem neuesten Angebot, einem Kunstblut mit Kirschgeschmack, das man essen und in Drinks mixen kann.

Ebenfalls ein Traum wäre es, einmal bei einer richtigen Horrofilmproduktion für die Make-up-Effekte verantwortlich zu sein. Leider führt das Genrekino in Deutschland nur ein Schattendasein. So bleibt Steffen vorerst das Geschäft mit den Masken und Accesoires, und da macht er jetzt endgültig richtig ernst. Gerade hat er seinen Teilzeitjob als Arzt aufgegeben um sich voll und ganz auf Wizardo zu konzentrieren und Masken Made in Hamburg noch populärer zu machen. Okay, Made in Halstenbek, um genau zu sein, aber da sind wir nicht so pingelig!