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Tastillery – auf Weltreise mit feinsten Spirituosen

Die eine träumt von einer Reise auf eine tropische Insel, der andere von einem gemütlichen Abend am Kamin. Und mit guten Freunden macht das noch mehr Spaß. Ein solches Lebensgefühl zu vermitteln ist das Ziel der Tastingboxen von Tastillery. Die laden mit edlen Spirituosen ein zu einer kleinen Weltreise durch das Reich der Geschmäcke und Gerüche.

Den Klischees von der russischen Seele und einer besonderen osteuropäischen Trinkkultur kann Waldemar Wegelin durchaus zustimmen. Geboren wurde er im kasachischen Almaty, als es noch Alma-Ata hieß und zur Sowjetunion gehörte. Als er nach Deutschland kam, sprach er noch kein Wort Deutsch. 1990 war das, in dem Jahr, als sein Cousin Andreas zur Welt kam.

Nicht zuletzt dank des Weinhandels ihrer wolgadeutschen Familie sind Andreas und Waldemar mit „gutem Trinken“ groß geworden. Beruflich haben sie sich dennoch zuerst in eine andere Richtung entwickelt. Nach seinem Studium des Kommunikationsdesigns hat Waldemar in der Werbung gearbeitet und globale Kampagnen für so große Kunden wie Google und Coca Cola betreut. Wo immer er dabei hinkam, hat er sich für die dortige Bar- und Trinkkultur interessiert.

Waldemar Wegelin mit seiner neuesten Entdeckung, dem California Vodka, der aus Erdbeeren destilliert wird. Leider noch nicht im Shop erhältlich.

Waldemar Wegelin mit seiner neuesten Entdeckung, dem California Vodka, der aus Erdbeeren destilliert wird. Leider noch nicht im Shop erhältlich.

Nach Stationen wie England, Schweden und Japan wäre es 2015 an der Zeit gewesen, sein Visum für die USA zu verlängern. Das hätte ihm allerdings nicht erlaubt selbständig zu arbeiten. Da er schon immer sein eigenes Ding machen wollte, kehrte er lieber nach Deutschland zurück. Inzwischen hatte Andreas in London seinen Master gemacht mit Spezialisierung auf “Network effects disruptive innovation”. Gemeinsam wollten sie ein Unternehmen gründen und dachten zuerst an stark technologieorientierte Geschäftsmodelle.

Ein Barbesuch als Initialzündung

Den Kick in die heutige Richtung brachte ein Besuch der Bar Le Lion in der Rathausstraße. Dort ließen sie sich die besten und außergewöhnlichsten Drinks servieren. Ein Erweckungserlebnis. Sie blieben dran an dem Thema, besuchten alle Tastingabende, die in Hamburg auf dem Programm standen, und überlegten zwischenzeitlich, selbst solche Veranstaltungen zu organisieren, bei dem die Teilnehmer diverse alkoholische Getränke probieren können.

Daraus entstand im Sommer 2015 die Idee für das Startup Tastillery, das schnell von der Nebenbeschäftigung zum Fulltime-Job wurde. Das Konzept: Tastillery verschickt Pakete mit Proben von fünf verschiedenen hochwertigen Spirituosen. Die lassen sich im Freundeskreis in Ruhe testen, und wenn eines der Getränke besonders gut ankommt, kann man es sich in Flaschengröße im Onlineshop bestellen. Gegründet wurde die Tastillery GmbH dann genau am 7. Januar 2016.

Die Tasting-Box "Tropical Island"

Die Tasting-Box „Tropical Island“

Nun hatten sich Waldemar und Andreas zwar ausführlich mit Cocktails und diversen Sorten Whisky, Gin und Rum beschäftigt (alles in Maßen und rein professionell natürlich), waren dadurch aber längst noch keine Experten, die das riesige weltweite Angebot wirklich überblicken konnten. Also holten sie sich Rat bei einem der profundesten Kenner auf diesem Gebiet, der zu jedem beliebigen Thema nicht nur fünf, sondern mindestens 50 passende Spirituosen nennen kann.

Aus der langen Liste, die sie beispielsweise zu dem Stichort „Fireside Stories“ bekamen, also zum Abend am Kamin, filterten Waldemar und Andreas dann die ihrer Meinung nach geeignetsten Produkte heraus. Manche waren für den Normalverbraucher schlicht zu teuer, andere kamen bei Freunden, die als Testtrinker fungieren durften, nicht so gut an. Wobei die Reihenfolge eine wichtige Rolle spielt, um eine gewisse Geschmacksdramaturgie aufzubauen.  Waldemar bezeichnet die meist besonders extravagante Nummer 5 als den „Endgegner“.

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Das Tastillery-Team bei der Launchparty im Mindspace: Jennifer Friedrichs, Andreas Wegelin, Waldemar Wegelin, Julia Lehrter und Tiep Vu

Bis Tastillery die ersten drei Sortimente zusammengestellt hatte – inklusive Paketdesign, Bewertungsbogen und kleinem Magazin – dauerte es doch länger als erwartet. Eine frühe, streng geheime Version der Webseite ging für Tests im Juli 2016 online, offizieller Start war schließlich der 30. September. Die Launchparty feierte das Tastillery-Team, das mittlerweile aus fünf Personen besteht, im Mindspace am Rödingsmarkt, wo das Startup sein Büro hat.

Dementsprechend kann das komplett eigenfinanzierte Unternehmen auch noch keine großen Umsätze vorweisen. Bisher wurden die die Pakete hauptsächlich von Familienmitgliedern und Freunden getestet, neben den schon genannten Sortimenten zu den Themen Kaminabend und Tropeninsel auch eines mit dem Namen „Exotic Exploration“. Das enthält vier verschiedene Ginsorten und Birds, einen Weissbrand aus Hamburg. Zitronengras, Pfeffer, Safran, die Mosel, einen marokkanischen Markt und die Seidenstraße verspricht die Box den Geschmacksnerven. Fünf Reagenzgläser mit jeweils 50 ml Inhalt sollen für bis zu drei Tester reichen.

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Zu empfehlen: Brot und Käse zwischen den Proben, hier von „Fireside Stories“

Die Wegelins sind keine Träumer, sie haben feste Vorstellungen davon, wie es weitergehen soll. Angedacht ist Tastillery als langfristiges Projekt, bei dem sie viel über den Aufbau eines Unternehmens lernen wollen. Dazu gehört, das Angebot ständig zu erweitern, und das gilt nicht nur für die Spirituosen. Geplant sind ein Onlinemagazin und Funktionen, die interaktiv genauere Bewertungen möglich machen und individuelle Kaufempfehlungen geben sollen. Tastillery würde so Schritt für Schritt digitaler werden und sich damit auch von dem englischen Mitbewerber Flaviar abheben.

Als Standorte für Tastillery ideal: Hamburg und Mindspace

Für den Standort Hamburg nennt das Gründerduo eine Reihe guter Gründe. Da wäre die Unterstützung durch Familie und Freunde, die in der Hansestadt leben. Dann die Tradition als Handelsmetropole und die Tatsache, das viele wichtige Unternehmen der Branche hier ihren Firmensitz haben. Und schließlich die inspirierende Startup-Landschaft. In der spielt das Mindspace eine wichtige Rolle, wo Tastillery seine Heimat gefunden hat und von den vielschichtigen Konakten und zahlreichen Events dort profitiert.

So, jetzt ist der Artikel fast zu Ende, und nicht ein einziges Mal ist bisher das Wort „Schnapsidee“ aufgetaucht. Aber das passt eigentlich auch nicht zu Tastillery.

Bild ganz oben: Andreas und Waldemar Wegelin