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Soziago macht den Sozialdienstleistungsmarkt transparent

Wohl keine andere Branche hat in Deutschland eine so große wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung wie die der sozialen Dienstleistungen. Doch wer sich über das Angebot an Kitas oder Pflegeheimen informieren will, findet dazu bisher keine objektive und umfassende Quelle. Das Hamburger Startup Soziago ist dabei, diese Lücke zu schließen.

Eine Kita für die Kinder, ein Pflegeheim für die Eltern oder Großeltern, und wenn’s mal nicht so rund läuft, Insolvenzberatung für sich selbst: soziale Dienstleistungen gibt es für fast alle Lebenslagen. Während man sich aber über jede bessere Imbissbude im Internet umfassend informieren kann, gibt es nichts Vergleichbares für soziale Einrichtungen.

Soziago entstand aus beruflicher Erfahrung und persönlichem Bedarf

Reyk Sonnenschein war das im Prinzip schon lange bewusst, schließlich ist er seit fast 20 Jahren in der Branche tätig. Er hat Sozialpädagogik studiert und lange im Qualitätsmanagement gearbeitet. Akut wurde für ihn das Thema dann während seiner Elternzeit, als er privat auf der Suche nach wichtigen Informationen war und nur mit großer Mühe fündig wurde.

Aus dieser Situation heraus entwickelte er Anfang 2015 ein Konzept, das er im Mai dann beim Social Impact Lab Hamburg pitchte. Das Social Impact Lab bietet ein Förderprogramm speziell für Startups mit sozialem Anliegen, und Reyk wurde mit seinem Projekt Soziago aufgenommen. Am Anfang als Sologründer, später kam noch Claas-Hendrik Berg dazu, vermittelt durch die Leiterin des Labs, Dannie Quilitzsch.

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Claas-Hendrik Berg und Reyk Sonnenschein freuen sich über ihren gelungenen Webauftritt

Wie gewaltig sein Vorhaben ist, verdeutlicht Reyk mit ein paar Zahlen. Demnach gibt es etwa 250.000 soziale Dienstleister in ganz Deutschland, die fünf Millionen Kunden haben. Der Begriff „Kunde“ fällt hier nicht zufällig, denn alle Anbieter sind privat und haben daher konkrete wirtschaftliche Ziele und theoretisch großes Interesse daran, im Netz leicht gefunden zu werden.

Praktisch ist das allerdings schwierig. Es gibt zwar einige Plattformen, die Informationen anbieten, zum Beispiel zu Kitas, aber vieles dort ist veraltet und lückenhaft. Da gab es nur eine Lösung: akribisch alle möglichen Quellen anzapfen, von Internetplattformen bis zu den Gelben Seiten, die Infos in Excel-Tabellen sammeln und abgleichen und nur das in die Soziago-Datenbank einfließen lassen, was auch mit hoher Sicherheit richtig und aktuell ist.

In der Datei: über 3.000 Dienstleister aus Hamburg

Seit gut einem Monat ist Soziago in einer Betaversion jetzt online, mit über 3.000 Einrichtungen aus Hamburg. Eine Fundgrube an Namen und Adressen, doch dabei soll es nicht bleiben. Besonders wertvoll werden zukünftig die Bewertungen sein, die die Kunden der Dienstleister abgeben. Dafür bekommen sie 16 Fragen gestellt, aus deren Beantwortung sich eine Gesamtnote von 1 bis 6 ergibt.

Diese Note ist auf der Webseite für alle sichtbar, als kostenloser Service für Kunden wie für Anbieter. Geld verdienen will Soziago mit Premienprofilen für Dienstleister, die gegen Bezahlung detailliertere Informationen veröffentlichen können und die genauen Ergebnisse der Befragungen erhalten. Während die ersten Bewertungen schon eingetrudelt sind, laufen die Gespräche mit potenziellen Premiumkunden gerade.

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Reyk Sonnenschein präsentierte Soziago im November beim UniPitch

Staatlich unterstützt wird Soziago nicht. Ein Gespräch mit der Sozialbehörde steht aber bald auf der Tagesordnung, schließlich besteht öffentliches Interesse an einer Qualitätskontrolle der Sozialdienstbranche. „Wir alle finanzieren über Steuergelder diese Leistungen“, meint Reyk, „da ist es unser Recht, dass für Transparenz gesorgt wird.“

2017 will Soziago weiter an Bekanntheit und Relevanz gewinnen, die Plattform soll noch anwenderfreundlicher werden, und eine Version für das Smartphone ist auch geplant. Wenn das Startup dann hoffentlich auch finanziell solide aufgestellt ist – einen Investor hat es bisher nicht -, könnte es Ende nächsten Jahres sogar mit einer Ausdehnung auf weitere Ballungsräume klappen.

Ein Herz für Soziales – und für Hamburg

Hamburg bleibt aber bis auf Weiteres Unternehmensmittelpunkt, mit Sitz im Social Impact Lab in der Pastorenstraße gleich neben dem Michel. Reyk kommt zwar ursprünglich aus Naumburg an der Saale, lebt aber seit 16 Jahren in der Hansestadt und kennt sich in der hiesigen Sozialszene bestens aus. Der Politikwissenschaftler Claas-Hendrik ist gebürtiger Hamburger und hat auch schon für Lemonaid und Viva con Agua gearbeitet. Soziale Fragen sind beiden eine Herzensangelegenheit, und wir drücken die Daumen, dass sie als Soziago auch wirtschaftlich Erfolg haben werden!

Bild ganz oben: Claas-Hendrik Berg und Reyk Sonnenschein im Social Impact Lab