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moovin – Wohnungen (ver)mieten leicht gemacht

Als Mieter die richtige Wohnung zu finden ist nicht nur in Hamburg keine leichte Sache. Als Eigentümer die passenden Mieter zu finden, auch nicht. Aber da gibt es doch dieses Internet, das sollte eigentlich eine Möglichkeit bieten, beide Parteien besser zusammenzubringen. Tut es auch, und zwar unter den Namen moovin. Dahinter verbirgt sich ein Hamburger Startup, das wir besucht haben.

Und zwar in seinem Büro, das sich passenderweise in einer Wohngegend in Ottensen befindet. Eine Wohnung in direkter Nachbarschaft steht gerade zur Neuvermietung frei – natürlich vermarktet über moovin. Seit März 2015 gibt es das Startup, doch die Idee, einen digitalen Service für Wohnungsvermietungen anzubieten, ist schon deutlich älter.

Bei mytaxi reifte die Idee für moovin

Mit der Immobilienbranche kam Fabian Mellin, einer der Gründer, schon früh in Kontakt. Während seines BWL-Studiums arbeitete er als Makler. Danach arbeitete er bei maytaxi und lernte dort Arne Schubert kennen. Gemeinsam feilten sie an ihrer Idee für eine Vermietungsplattform. Zwischendurch kündigte Fabian sogar einmal und kehrte nach einem Monat zu mytaxi zurück; noch war die Zeit nicht reif.

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Dieses und folgende Fotos: in den Büroräumen von moovin

Das änderte sich, als im Oktober 2014 die Bundesregierung das sogenannte Bestellerprinzip beschloss. Bisher konnten Vermieter die Kosten für einen von ihnen beauftragten Makler auf den Mieter abwälzen, nach der neuen Rechtslage sollte das nicht mehr möglich sein. Schlecht für Immobilienmakler, gut für Wohnungssuchende, und gut für das noch zu gründende Unternehmen moovin, denn jetzt gab es plötzlich einen neuen Bedarf und eine Marktlücke.

Dank der Vorarbeit und Erfahrung, die Fabian und Arne und auch der dritte Mitgründer, Dr. Axel von Zimmermann, mitbrachten, konnte moovin schon mit einem ziemlich ausgefeilten Konzept an den Start gehen. Für den richtigen Webauftritt sorgt Tobias Schumacher, ebenfalls ein Weggefährte aus mytaxi-Zeiten.

Individueller Service nach dem Baukastenprinzip

Wollte sich das Startup anfangs noch eher an Mieter richten, stellte sich schnell heraus, dass Vermieter die ideale Zielgruppe sind. Ihnen bietet moovin einen Maklerservice nach dem Baukastenprinzip. Die Kunden müssen keinen Pauschalpreis zahlen, sondern buchen nur die Dienstleistungen, die sie wirklich brauchen.

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Die obligatorische Basis bildet dabei das Anzeigen-Paket zum Preis 99 Euro. Dadurch sind Wohnungsangebote automatisch auf 35 Immobilienportalen gelistet, darunter die großen Namen wie ImmobilienScout24 oder immowelt.de. Alle weiteren Bausteine können beliebig kombiniert werden: ein Exposé, der Besichtigungsservice, der Entwurf für den Mietvertrag und schließlich die Wohnungsübergabe. Besonders beliebt ist der online erstellte Energieausweis, für viele das Einstiegsargument.

Hat ein Kunde sich für sein individuelles Paket entschieden, legt er ein Profil für das von ihm angebotene Mietobjekt an. Dieses wird dann in die Portale eingespielt, wo potenzielle Mieter es einsehen können. Diese wiederum legen Profile von sich an, in die sie für die Vermietung relevante Kriterien einpflegen, etwa Einkommen, behindertengerechte Einrichtungen und Platzbedarf. So lässt sich schon im Vorfeld herausfiltern, ob Interessent und Objekt überhaupt zueinander passen.

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Der sinnvoll eingegrenzte Interessentenkreis wird dann per Mail zu einem Besuchstermin eingeladen. Doppelter Vorteil: Es kommt nicht zu Massenbesichtigungen, und von vornherein ungeeignete Kandidaten müssen nicht vergeblich aufkreuzen. Für die Besichtigung vor Ort hat moovin in 17 Städten freie Mitarbeiter unter Vertrag . Dem Urteil des Teams vertrauen häufig auch die Vermieter, wenn es zur Entscheidung kommt. Ist diese dann gefallen, kann moovin auch den Mietvertrag aufsetzen und dabei auf die bereits gespeicherten Daten über Mieter, Vermieter und Objekt zurückgreifen.

Aktuell vermittelt moovin 80 bis 90 Objekte pro Monat und baut seinen Service kontinuierlich aus. So gibt es inzwischen die Möglichkeit der virtuellen Wohnungsbesichtigung. 360-Grad-Kameras machen das möglich. Seit Anfang hat das Startup branchenaffine Investoren an Bord, und seit September läuft eine Crowdfundig-Kampagne auf Seedmatch. Die Fundingschwelle von 100.000 Euro war schnell erreicht, das obere Limit von 300.000 Euro ist auch nicht mehr fern.

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Der Erfolg beruht auf gründlicher Vorbereitung. Zwei Monate lang hat sich das Team intensiv mit der Kampagne beschäftigt, einen Businessplan, ein Video und Pressematerial erstellt, neue Ideen entwickelt und sich immer wieder Rat von außen geholt. Das Geld soll vor allem für Marketing und Wachstum eingesetzt werden. Momentan beschäftigt moovin neben den schon erwähnten freien Mitarbeitern zehn Festangestellte.

Eine der ersten Anschaffungen: ein Faxgerät

Es geht also voran mit der digitalen Erneuerung einer Branche, die in Teilen noch nicht ganz in der Gegenwart angekommen ist. Zu den ersten Anschaffungen von moovin gehörte ein Faxgerät, was bei Startups normalerweise nicht auf der Einkaufsliste steht. Das wird auch weiterhin fleißig benutzt. Die Kunden sind eben sehr etabliert und sehr erfahren und daher manchmal etwas langsamer, wenn es um Innovationen geht. Hat man sie aber erst überzeugt, arbeiten die Kunden gerne im webbasierten System von moovin.

In der Branche herrschen eben Eigenschaften vor, die wir in Hamburg gern als hanseatisch bezeichnen. Hanseatisch ist auch moovin. Fabian ist zwar in Berlin geboren, ist aber hier zur Uni gegangen und der Stadt längst auch familiär verbunden. Arne und Axel sind sowieso richtige Hamburger, genau wie die Investoren. Das Herz des Teams schlägt für also Hamburg, weshalb auch künftig die deutschlandweiten Aufträge von der Hansestadt aus zentral gemanagt werden.

Bild ganz oben: Das Gründertrio Arne Schubert, Fabian Mellin und Axel von Zimmermann