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Look Local: Mit der FASHION CLOUD auf Wolke 7

Den höchstdotierten Förderpreis, der jemals in Hamburg vergeben wurde, hat kürzlich die FASHION CLOUD von Look Local gewonnen. 200.000 Euro gab es für die Plattform, die den Modeeinzelhandel fit für den Wettbewerb mit den großen Online-Shops macht. Made in Hamburg porträtiert das erfolgreiche Startup.

Eine App, mit der man aktuelle Schnäppchen aus den Läden der Umgebung aufspüren kann – das ist doch mal eine gute Idee! So dachten ursprünglich auch die drei Gründer von Look Local und machten sich an die Entwicklung einer solchen App. Dabei stießen sie auf ein grundsätzliches Problem: Viele Einzelhändler vor allem aus der Modebranche waren noch gar nicht im digitalen Zeitalter angekommen und konnten daher nicht das erforderliche Bild- und Textmaterial zu ihren Angeboten liefern, Aus diesem Mangel entstand die Idee für die FASHION CLOUD.

Die FASHION CLOUD bringt die Hersteller und den Handel zusammen, indem sie alles wesentliche Marketingmaterial einsammelt – Produktbilder und -beschreibungen, Logos und Videos – und den stationären Shops für ihren Online-Auftritt zur Verfügung stellt. Dieser Service wird dringend benötigt, denn Internetriesen wie Amazon oder Zalando graben dem klassischen Einzelhandel immer mehr das Geschäft ab.

Look Local führt die Modebranche in die digitale Welt ein

Das gilt auch und besonders für die Modebranche, die zwar sehr kreativ und geradezu familiär ist, aber auch „erzkonservativ“, wie Look Local-Mitgründer Martin Brücher es formuliert.  Bestellungen werden dort zu 90 % manuell abgewickelt, so zum Beispiel über ausgedruckte Formulare auf Messen. Auch viele Hersteller sind in der digitalen Welt noch nicht angekommen. Inzwischen hat aber ein Umdenken begonnen; vor zwei Jahren wäre noch viel mehr Überzeugungsarbeit für eine Plattform wie die FASHION CLOUD nötig gewesen.

René Schnellen, Florian Klemt und Martin Brücher an ihrem Arbeitsplatz bei Speed UP! Europe in der Gaußstraße.

René Schnellen, Florian Klemt und Martin Brücher an ihrem Arbeitsplatz bei Speed UP! Europe in der Gaußstraße.

Und das sind die Gründer von Look Local:

Florian Klemt hat sich schon immer für das Programmieren interessiert und daher an der TU Harburg Informatik-Ingenieurswesen studiert und im Anschluss zwei Jahre für IT-Häuser gearbeitet. Bei Look Local ist er für in erster Linie für die Softwareentwicklung zuständig, repräsentiert zudem das Startup bei Pitches und anderen Veranstaltungen.

Martin Brücher stammt aus Würzburg und hat Wirtschaftsingenieurswesen in Mannheim studiert, seinen Master aber ebenfalls an der TU Harburg gemacht. Während eines Semesters in Kalifornien hat er sich den Startup-Virus eingefangen. Ursprünglich hatte er sich auf den Bereich erneuerbare Energie spezialisiert und hier als Unternehmensberater vier Jahre lang neue Geschäftsmodelle analysiert.

René Schnellen ist seit Kindesbeinen in der Modewelt zuhause, denn seine Eltern haben ein Bekleidungsfachgeschäft im sauerländischen Medebach. Er hat Textilmanagement an der LDT Nagold studiert und BWL an der Northwood University in West Palm Beach, Florida. Danach war er Unternehmensberater bei hachmeister + partner, wo man sich auf die Modebranche spezialisiert hat.

Das Startup Dock der TU Harburg hat Starthilfe geleistet

Über einen gemeinsamen Freund kennen sich Martin und René seit fünf Jahren. Die Empfehlung, sich mit Florian zusammenzutun, kam vom Startup Dock der TU Harburg, einer Institution, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Studenten der Ingenieurswissenschaften Gründergeist einzuhauchen. Die drei trafen sich auf ein Bier und entwickelten bald die ursprüngliche Idee der Shopping-App, mit der sie sich im Dezember 2014 auch bei Speed UP! Europe bewarben. Gerade zu Ende gegangen, war der von der EU finanzierte Accelerator Speed UP! Europe das bisher größte je in Hamburg angesiedelte Förderprogramm.

Den Schwenk auf das heute so erfolgreiche Konzept der FASHION CLOUD vollzog das Trio dann im Januar 2015.

Screenshot der Webseite der FASHION CLOUD

Screenshot der Webseite der FASHION CLOUD

Innerhalb von vier Monaten entwickelten sie einen Prototypen, den sie im Juli launchten und schon mit echten Kunden in der Praxis testen konnten. Geld verdient hat Look Local mit der FASHION CLOUD bisher nicht; für die nahe Zukunft ist ein Freemium-Modell geplant, für ein Abo mit speziellen Features sollen die Händler zahlen. Als besondereren Service wird es ab Januar 2016 eine Schnittstelle zu führenden Warenwirtschaftssystemen geben, die die Warenströme in einem Unternehmen kontrollieren. Zu  vier Anbietern, die zusammen ca. 75 % des Marktes abdecken, besteht bereits enger Kontakt.

Das Look Local-Team mit dem Siegerscheck von Speed UP! Europe.

Das Look Local-Team mit dem Siegerscheck von Speed UP! Europe.

Auch wenn Look Local, wie erwähnt, noch keine Umsätze erzielen konnte, hat die Geschäftsidee zwei Business Angels so überzeugt, dass sie bereits im Mai 100.000 beziehungsweise 75.000 Euro in das erst im März offiziell gegründete Startup investiert haben. Absoluter Höhepunkt der Firmengeschichte war aber zweifellos der 6. November 2015. Bei Speed UP! Europe als Außenseiter gestartet, konnte sich Look Local im Laufe der Monate immer stärker profilieren und das Programm im November als bester von fast 100 Teilnehmern abschließen. Für das Finale der letzten 30 spielte diese Vorbewertung allerdings keine Rolle. Look Local musste sich vor einer Jury erneut bewähren und meisterte diese Aufgabe mit Bravour. Der erste Platz und 200.000 Euro Preisgeld sind der Lohn.

Mit fünf Vollzeitkräften, einer Werkstudentin und jeder Menge Arbeit für mindestens einen weiteren Softwareentwickler geht es in eine hoffentlich rosige Zukunft. Und das natürlich in Hamburg, denn an der Treue zur Elbmetropole lassen die Gründer keinen Zweifel, nicht nur wegen der Verbundenheit zur TU Harburg. Berlin ist ihnen zu „hip“ und zu laut, sie bevorzugen die hanseatische Solidität. Made in Hamburg als Gütesiegel, auf Look Local trifft es definitiv zu.