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Himmelsanker – der Himmel hängt voller Filme

„Der Himmel fängt auf Erden an“ – das ist das Motto von Gökhan Sayim. Für den gelernten Regisseur sind auf jeden Fall Filme ein Stück vom Himmel, und seine große Leidenschaft will er in sein frisch gebackendes Unternehmen Himmelsanker einbringen. Der Name ist Programm: Gökhan ist mit dem Kopf in den Wolken und dabei auf dem Boden der Tatsachen fest verankert.

Aufgewachsen ist Gökhan in dem beschaulichen Beckedorf bei Hannover,  seine Frau im benachbarten Stadthagen, wo sie sich auch kennenlernten. Zum Studium zog es dann beide in die niedersächsische Landeshauptstadt. Sie studierte Medizin, er Bildende Kunst mit dem Schwerpunkt Regie an der Hochschule Hannover. Kino hat ihn schon immer begeistert, Filmreihen wie Star Wars, Indiana Jones und Zurück in die Zukunft haben seine Kindheit geprägt, so sehr, dass früh für ihn feststand: Ich will auch Filme machen!

Der Traum erfüllte sich in voller Länge 2008 mit dem Spielfilm „Das Weinen Davor“, seiner Abschlussarbeit (Trailer siehe oben). Dabei erwies er sich als echtes Multitalent: Produktion Regie, Drehbuch, Schnitt und sogar die Musik: alles Gökhan Sayim. Zugegeben, der Streifen wurde nicht zum Kassenschlager, aber immerhin zum Sprungbrett für die Hauptdarstellerin Wilma Elles, die inzwischen in der Türkei vor allem durch eine enorm erfolgreiche TV-Serie zu einem echten Star geworden ist.

Regieassistent bei Prestigeprojekten wie dem Tatort

Als Gökhans Frau eine Stelle als Assistenzärztin in Hamburg angeboten bekommt, ziehen beide in die Hansestadt. Er bewirbt sich fleißig um Praktika und Regieassistenzen und landet einige prestigeträchtige Treffer. Zum Beispiel den Tatort „Das Gespenst“ aus dem Jahr 2009, mit Maria Furtwängler als Kommissarin Charlotte Lindholm. Dort darf in einigen Szenen sogar die Kamera führen. Alszweiter Regieassistent ist er bei der TV-Produktion „Die Kinder von Blankenese“ (2010), der von Überlebenden des Holocaust handelt, hauptsächlich für die Komparsen verantwortlich.

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Gökhan Sayim betrachtet das Logo seiner Produktionsfirma Himmelsanker.

Weniger schwergewichtig, dafür eine echte Regiearbeit: Der Comedy-Film „Buddy Ogün – V.I.P. Was‘ los!“, direkt für den DVD-Markt produziert. Zwischendurch arbeitet Gökhan immer mal wieder an Imagefilmen und sorgt für den scharfen Schnitt bei der Produktionsfirma Apollo TV. Außerdem ist er seit Ende 2011 als Dozent für die Macromedia Hochschule in Hamburg tätig.

Bei der Hausrenovierung die eigene Stärke erkannt

Fernab vom Filmemachen brachte Gökhan die Arbeit an seinem Haus in Langenhorn auf neue Gedanken. Er ackerte unermüdlich, einmal sogar bis an den Rand einer Lungenentzündung, und lernte dabei viel über sich selbst. Nämlich, dass er mit harter Arbeit und Fachkompetenz auch große Projekte stemmen konnte. Diese Erkenntnis übertrug er wieder auf seine eigentliche Leidenschaft – natürlich das Filmemachen – und entschied, sich selbständig zu machen.

Das war die Geburtsstunde von Himmelsanker. Über den Namen haben wir schon eingangs philosophiert, bleibt noch zu ergänzen, dass der Name Gökhan auf Deutsch „Himmelskönig“ bedeutet. Seit 2016 besteht die Ein-Mann-Firma. Ein erstes Ergebnis ist der Kurzfilm „Hybris“ (Trailer siehe oben), der schon auf diversen internationalen Kurzfilmfestivals gelaufen ist.

Spannend auch der erste offizielle Auftrag, den Gökhan für das LKA ausgeführt hat. Details darüber können und wollen wir nicht verraten, da der Film in einem Gerichtsverfahren eingesetzt werden soll. Er zeigt Aufnahmen, die am echten Tatort gedreht wurden, wo Polizeibeamte den Tathergang nachstellten.

Himmelsanker bietet Imagefilme auch für den kleinen Geldbeutel

Eine solche Produktion wird vermutlich die Ausnahme bleiben. Die wesentliche Einnahmequelle sollen Drehs von Imagefilmen werden. Dafür bietet Gökhan drei Paketversionen an, bei denen Filmlänge und Arbeitsaufwand variieren. Das günstigste Paket ist bereits für 699 Euro zu haben. Individuelle Wünsche werden natürlich auch erfüllt. Egal welche Variante, eines ist gewiss: Gökhan kümmert sich um alles, von der Entwicklung der Story, natürlich in enger Absprache mit dem Kunden, bis zum Schnitt, in der Rohfassung am besten noch am Ort des Geschehens.

Ein erstes Beispiel für so einen Imagefilm zeigt die professionelle Reinigungskraft Gbemu bei der Arbeit (siehe oben). Das klingt erstmal reichlich unspektakulär, aber bei genauerem Hinschauen beeindruckt, mit wie viel Akribie und auch Stolz er seiner vermeintlich banalen Tätigkeit nachgeht. Filme machen gilt nicht als banal, doch haben Gbemu und Gökhan offenbar einiges gemeinsam. Die ehrliche Begeisterung, mit der der Regisseur auch über die auf den ersten Blick unwichtigsten Details spricht, ist einfach ansteckend.

Mit seinem freundlichen Enthusiasmus sollte es Gökhan eigentlich gelingen, schnell weitere Kunden für Himmelsanker zu gewinnen. Dann kann er aus seinem Home Office hinauswachsen und Mitarbeiter einstellen. Darüber hinaus würde er gern die differenzierten Rollen von Migranten in unserer Gesellschaft filmisch behandeln. Und der Traum vom großen Kinofilm ist auch noch längst nicht ausgeträumt. Vielleicht gibt es also irgendwann einen echten Blockbuster von Himmelsanker – Made in Hamburg!

Bild ganz oben: Gökhan Sayim präsentiert seine Filmausrüstung in seinem Home Office