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HAUSGOLD hat goldenes Händchen für Immobilien

„Hamburger Startup sichert sich Finanzierung in Millionenhöhe“ – das ist eine Schlagzeile, die wir gar nicht oft genug lesen möchten. Kürzlich war es mal wieder so weit: Das Unternehmen mit dem programmatischen Namen HAUSGOLD hatte sich ein hübsches Sümmchen gesichert, unter anderem auch von der Beteiligungsgesellschaft von Rocket Internet. Grund genug für Made in Hamburg, bei den Immobilienexperten vorbeizuschauen.

Hamburgs zurzeit berühmteste Immobilie, die Elbphilharmonie, gehört nicht zum Angebot von HAUSGOLD, aber im Blick hat das Team des PropTech-Startups das Luxusgebäude schon. HAUSGOLD residiert nämlich in den Räumen des Company Builders Hanse Ventures, und der befindet sich mitten in der Hafencity in unmittelbarer Nähe des Konzerthauses.

Outsourcing perfektioniert – und jetzt?

Nicht immer hatte der Gründer Sebastian Wagner einen so engen Bezug zu Immobilien aller Art, zum Unternehmertum allerdings schon länger. Noch während seines Studiums gründete er sein erstes Startup. Er spezialisierte sich auf exklusive Produkte aus den USA und perfektionierte seine Handelsplattform dank Outsourcing so weit, dass das Geschäft zwar gut lief, er persönlich aber kaum noch etwas zu tun hatte.

Die HAUSGOLD-Gründer Mathhias Frenzel, Sebastian Wagner und Miguel Ruth

Die HAUSGOLD-Gründer Mathhias Frenzel, Sebastian Wagner und Miguel Ruth

Das sollte natürlich nicht so bleiben, und zum Glück lernte er zu dieser Zeit Matthias Frenzel und Miguel Ruth kennen, die für den Immobilienmakler Engel & Völkers arbeiteten. Gemeinsam stellten sie fest, wie schwer es für Immobilienbesitzer ist, einen seriösen Makler zu finden. Und umgekehrt hat es diese seltene Spezies auch nicht leicht, an gute Objekte heranzukommen. Also wäre es doch eine gute Idee, eine Internetplattform für diesen Markt aufzubauen.

Ein Unternehmen namens HausHaus

So entstand 2014 die talocasa GmbH. Neben Sebastian, Matthias und Miguel war auch Hanse Ventures von Anfang an dabei. Ein unschätzbarer Vorteil für das junge Unternehmen, bekam es doch nicht nur Unterstützung in finanzieller Hinsicht, sondern auch in vielen anderen Bereichen, so dass sich das Team auf sein Kerngeschäft konzentrieren konnte. Vielleicht noch ein paar Worte zum Firmennamen: Casa ist das spanische Wort für Haus, was sicherlich einige wissen. Und Talo ist Finnisch und bedeutet auch Haus. Die HausHaus GmbH also, nicht so optimal, aber das war auch nicht für die Ewigkeit gedacht.

Ein ordentliches Startup hat auch einen Bürohund. Dieser hier heißt Rocky.

Ein ordentliches Startup hat auch einen Bürohund. Dieser hier heißt Rocky.

Am Anfang ging es vornehmlich darum, das Geschäft solide aufzubauen, und mit Hanse Ventures im Boot und dank einer wenige Monate nach Gründung erfolgten ersten siebenstelligen Finanzierung war auch der Druck nicht so groß, sofort Umsatz machen zu müssen. Der konnte auch nicht über Nacht fließen, denn die Plattform verdient erst, wenn eine Immobilie tatsächlich verkauft worden ist. Das kann dauern, schließlich will so eine Investition überlegt sein, und nicht jedes Objekt findet gleich den richtigen Käufer.

HAUSGOLD verlangt keine Vorabgebühren und will den klassischen Makler nicht ersetzen, im Gegenteil; das Startup versteht sich als Partner, der die Branche mit moderner Technologie voranbringt. Daraus ergibt sich der schon benutzte Fachausdruck PropTech, eine Abkürzung für Property Technology. Mit diesem Konzept konnte HAUSGOLD schnell viele Makler als Kunden gewinnen, richtig los mit Umsatz ging es dann 2015.

Logo_HAUSGOLD_4000Mindestens ebenso wichtig wie die Makler sind selbstverständlich die Immobilienbesitzer, die betreut und beraten werden wollen. Die Kontaktaufnahme erfolgt per Telefon oder über das Internet, und da gibt es längst keine Altersbeschränkungen mehr; auch 85-jährige nutzen mittlerweile die Onlinemaske für den Erstkontakt. Für die weitere Kommunikation ist es wichtig, regionale Eigenheiten zu berücksichtigen. Schweizer bevorzugen eine andere Ansprache als Norddeutsche. Dass die Ansprechpartner so oder so in Hamburg sitzen, spielt dabei keine Rolle.

Dr. Georg Pagenstedt

Dr. Georg Pagenstedt

Ende 2015/Anfang 2016 hatte HAUSGOLD bereits eine Vermittlungssumme von rund zwei Milliarden Euro erreicht und sich eine führende Position am Markt erobert. Es wurde höchste Zeit, einen weiteren Profi in die Geschäftsleitung zu holen. Dr. Georg Pagenstedt war da genau der richtige Mann, mit jeder Menge Marketingerfahrung als Geschäftsführer in diversen Medien- und Digitalunternehmen. Eine seiner ersten Aufgaben: die Marke noch mehr zu profilieren. Die hieß schließlich immer noch talocasa; der Name HAUSGOLD entstand dann im Rahmen eines Workshops.

HAUSGOLD bekommt Raketenantrieb

Im August 2016 wurde HAUSGOLD endgültig über die reine Immobilienszene hinaus bekannt, denn wenn neben einigen anderen Rocket Internet in ein Unternehmen investiert, ist das immer eine Meldung wert. Wie sich Zusammenarbeit mit den Berlinern langfristig entwickeln wird, lässt sich naturgemäß noch nicht absehen, aber bisher ist Sebastian sehr zufrieden mit Global Founders Capital, wie das Rocket-Vehikel heißt. Dort ist man jederzeit ansprechbar und hilft mit Know-how und Kontakten bei so unterschiedlichen Themen wie Onlinemarketing, Businesssoftware oder Networking mit anderen Gründern.

Sebastian Wagner vor der Kulisse der Hafencity

Sebastian Wagner vor der Kulisse der Hafencity

Irgendwann will HAUSGOLD auch über die Grenzen von Deutschland, Österreich und der Schweiz expandieren. Eile ist hier aber nicht geboten, zu unterschiedlich sind die Märkte, Mentalitäten und rechtlichen Voraussetzungen, um unvorbereitet zu agieren. Neue Mitarbeiter sucht das mittlerweile 40 Personen starke Team trotzdem, denn auch hierzulande ist noch genug Platz für Wachstum.

Hamburg wird dabei definitiv der Firmensitz bleiben. Sebastian ist hier zwar nicht geboren, aber schon als ganz kleiner Junge hierher gezogen und will aus seiner Stadt auch nicht mehr weg. Und so wird der Buzzer, der immer dann gedrückt wird, wenn mal wieder ein Immobiliendeal in trockenen Tüchern ist, auch in Zukunft in der Hafencity zu hören sein – mehrmals am Tag, und gern immer öfter.