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AdDefend – die Verteidiger der Onlinewerbung

Klar, Werbung im Internet kann manchmal ganz schön nervig sein. Deshalb setzen immer mehr User einen Adblocker ein. Werbung ist aber auch eine lebensnotwendige Einnahmequelle, die hochwertige Webinhalte überhaupt erst möglich macht. Und damit diese Quelle nicht versiegt, hat das Hamburger Startup AdDefend ein Mittel gegen Adblocker entwickelt.

Die Defenders sind eine Superheldentruppe aus dem unermesslichen Marvel-Comicuniversum. Superhelden sind die Macher von AdDefend zwar nicht, aber auch sie haben eine Mission: Onlinewerbung gegen die Angriffe von Adblockern zu verteidigen.

Insgesamt hat AdDefend 19 Mitstreiter. Von den fünf Gesellschaftern schauen wir uns drei einmal genauer an. Da wären zunächst Thomas Richter (CTO) und Michael Reese (CIO), die einiges gemeinsam haben. Ein abgebrochenes Informatikstudium etwa und jede Menge Erfahrungen in der Digitalwirtschaft. Alle ihre Stationen hier aufzulisten würde zu weit führen, entscheidend ist ihre Tätigkeit bei dem IT-Dienstleister bemitho: Dort waren sie nämlich wesentlich an der Entwicklung einer Anti-Adblocker-Software beteiligt.

So sieht es aus, wenn man das Großraumbüro von AdDefend in der Borselstraße in Ottensen betritt.

Den Vertrieb dieser Software übernahm die Firma veeseo, genauer gesagt, Dominik Reisig. Der BWLer (abgeschlossen) hatte als Geschäftsführer der CAVI VideoShopping AG schon 2010 erste Erfahrungen mit Onlinemarketing gemacht. Die Idee damals: Produkte aus z.B. Musikvideos direkt zum Kauf anbieten. CAVI wurde dann irgendwann an veeseo verkauft und veeseo später von Ligatus übernommen, einer Tochter des Verlagshauses Gruner + Jahr (u.a. Stern und Brigitte).

AdDefend ist ein eigenständiges Unternehmen

Aber das sind alles Nebensächlichkeiten für unsere Geschichte im Vergleich zu dem, was Ende 2015 geschah. Da wurde aus der Adblocker-Software, die schon immer den Namen AdDefend getragen hatte, ein eigenständiges Unternehmen, und Dominik sein CEO. Das Adjektiv „eigenständig“ steht hier nicht zufällig, denn das Startup legt großen Wert auf seine Unabhängigkeit von allen Verlagshäusern oder Agenturen.

Zu den Kunden von AdDefend zählen sie natürlich trotzdem, Gruner + Jah  genauso wie viele andere namhafte Publisher wie beispielsweise Spiegel, Focus oder auto motor und sport. Sie alle sind auf Werbekunden angewiesen, um ihre journalistischen Inhalte für Leser kostenlos anbieten zu können. Und sie alle müssen damit umgehen, dass inzwischen gut 25 % der Nutzer einen Adblocker installiert haben.

Michael Reese, Dominik Reisig und Thomas Richter bilden das Mangement Board von AdDefend.

Leicht gemacht wird diesen Werbefiltern die Arbeit dadurch, das Onlineanzeigen und redaktionelle Beiträge von verschieden Servern eingespielt werden. Dadurch lassen sie sich leicht voneinander unterscheiden. AdDefend sorgt nun dafür, dass alles aus einer Quelle kommt und nicht mehr auseinander dividiert werden kann. Ganz so einfach ist es in der Praxis allerdings nicht, denn auch Adblocker lernen dazu und versuchen, Werbung an bestimmten Merkmalen zu erkennen. So findet ein permanenter Wettlauf zwischen den beiden Parteien statt.

Nicht jeder, der Adblocker nutzt, ist pauschal gegen Werbung

Aber ist es überhaupt sinnvoll, Adblocker-Nutzern Werbung einzuspielen? Sind die dann nicht erst recht genervt? Nicht unbedingt. Zum einen haben viele den Werbefilter gar nicht bewusst eingerichtet und sind daher nicht grundsätzlich gegen Reklame im Internet. Zum anderen gibt AdDefend die hauptsächlich als störend empfundenen Formate wie Pop-ups oder den Text überlagernde Anzeigen nicht frei. Der Rest wird dann eher akzeptiert und wahrgenommen, da es nicht zur Übersättigung kommt.

Im Großraumbüro unterm Dach ist auch Platz für Grünpflanzen.

AdDefend geht sogar noch einen Schritt weiter und vermarktet Adblocker-User als besonders attraktive Zielgruppe. Diese Geschäftsidee bringt mittlerweile schon rund die Hälfte des Umsatzes des Unternehmens. Natürlich muss dieser Personenkreis besonders behutsam und intelligent angesprochen werden, dafür ist er überdurchschnittlich qualifiziert und finanzstark und durch herkömmliche Werbung kaum zu erreichen.

Bisher war AdDefend hauptsächlich in Deutschland und ein bisschen in Österreich und der Schweiz aktiv. Jetzt kommen Italien, Spanien, Niederlande, Belgien und einige nordeuropäische Länder dazu. Eine besondere Herausforderung ist der französische Markt, auf dem es ziemlich aggresiv zugeht. Ein Grund mehr die Software immer weiter zu entwickeln, denn bei aller Sales-Kompetenz liegt der Fokus nach wie vor auf der Technologie.

Dank eines Saugroboters könnte man bei AdDefend beinahe vom Fußboden essen.

Und auf Hamburg. Angefangen hat AdDefend in der Planckstraße in Ottensen, im Frühjahr 2016 ging es dann in ein größeres Büro in der Borselstraße gleich um die Ecke. Direkt unterm Dach wirkt auch ein Großraumbüro gemütlich, auch wenn es im Sommer ordentlich warm werden kann. Zur Abhilfe stehen in allen Ecken Ventilatoren. Seit dem Umzug hat sich die Belegschaft glatt verdreifacht, auch die überall benötigten und als rar geltenden Entwickler ließen sich überzeugen. In Hamburg lässt es sich eben schön leben und seriös arbeiten.

Für die Zukunft wünscht sich Dominik von Wirtschaft und Politik, dass sie die Innovationskraft der Hansestadt noch stärker fördern und dabei auch das Potenzial von Flüchtlingen nutzen. AdDefend wäre gern dabei; schließlich lohnt es sich, sich nicht nur für Onlinewerbung einzusetzen.